Einklagen oder nicht? Klingt schon viel zu kompliziert.
Als ich vor kurzem mal wieder mit dem Zug Richtung Firmenhauptsitz unterwegs war, stand unter dem Sitz im Zug, auf dem ich mich gedachte niederzulassen eine schwarze Laptoptasche. Ein Blick in diverse Richtungen zeigte, dass niemand mit gehetztem Blick und hektisch rennend irgendwas suchte. Ein kurzer Hebetest ergab, dass diese Tasche wohlgefüllt war. Ich setzte mich hin und stellte die Tasche neben mich auf den Sitz. Dann stöpfelte ich mir meine coolen Smokin' Buds von Skullcandy (welche ich mir unter schwerster körperlicher Selbstverstümmelung aka Blasen in Reutlingen am Tag des Theaterprojektes erlaufen habe - ich zieh die Schuhe schon ziemlich regelmäßig an, nur laufe ich darin nie einmal quer durch die Stadt und wieder zurück...) In-Ear-Phones in die Ohren (von herkömmlichen Ohrstöpseln tut mir der kleine Knorpel im Ohr weh und unbeschwerter Musikgenuss rutscht in weite Ferne) und starrte in die Weltgeschichte.
Es wurde Zeit zum Abfahren des Zuges und die schwarze Tasche stand immer noch unberührt neben mir. Auch weiterhin zugestiegene Fahrgäste zeigten sich unbeeindruckt ob meines kleinen Sitznachbarn.
Unbemerkt von allen Umsitzenden rotierten die Gedanken in meinem Kopf: einfach mit der Tasche aussteigen und weiterlaufen? Hach, viel zu umständlich, die ganze Zeit dieses Ding durch die Kante schleppen müssen... Aussteigen, Tasche mitnehmen und am nächsten Bahnhof abgeben? Hoffentlich reicht die Zeit zum Umsteigen! Wann kommt denn endlich dieser Zugbegleiter/Schaffner/Kartenknipser? Immer wenn man jemanden braucht, gibt es niemanden, der gebraucht werden will... Tasche stehenlassen und von den Mitreisenden auf das vergessene Fundstück angesprochen werden?! Warum konnt denn hier kein Schaffner vorbei!? Begrüßt hat er uns doch...
Ich bin dann an meinem Ausstiegsbahnhof ausgestiegen habe die Tasche mit spitzen Fingern mitgenommen - vielleicht is ja doch ne Bombe drin? - und habe sie am Bahnsteig abgegeben. "Schon wieder ne Laptoptasche? **augenroll**" - so begrüßte mich der in blau gekleidete Angestellte mit dem weiß-roten Zeichen auf der Mütze. "Ich will dafür keine Finderlohn oder so, ich wäre doch auch froh, wenn man mein Notebook abgibt statt wegfindet." Meine Anschrift wollte er trotzdem noch haben, damit sich der Finder wenigstens bedanken könne. Ok, vielen Dank. Tschühüüüß.
Drei Tage später steckte ein Brief von der Deutschen Bahn in meinem Briefkasten, dass das Fundstück abgeholt wurde von dem und dem Finder. Ah ja. Und ich könnte Finderlohn einklagen nach Paragraph sowieso BGB. Ach so?! Wusste ich nicht. Finderlohn einklagen. Klingt schon viel zu kompliziert...
Bedankt hat sich noch niemand. Erwarte ich zuviel? Mit dem Finger auf jemanden zeigen und sagen, ich krieg 5% (oder doch nur 3%) Geld von Dir (ich hab mich da ja doch mal ein bisschen schlau gemacht) - mag ich irgendwie nicht... Ich lass es, oder?!
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